.glasperlen.aus.groß.strömkendorf.teil.1.

“Das mache ich im Herbst/Winter/bald.” … Hier nun Teil 1 der Zusammenfassung der Dissertation zum Thema Glasfunde aus Groß Strömkendorf. Meine Zusammenfassung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann natürlich nur ein kurzer Abriß sein. Ich habe mich bemüht, die Forschungsergebnisse so knapp und präzise darzustellen, wie es mir nach bestem Wissen und Gewissen möglich ist. =)

Einleitendes.
Behandelt werden in der Dissertation von Alexander Pöche nicht nur Glasperlen, sondern Glasfunde allgemein inklusive Resten aus der Glasverarbeitung. Ich werde mich bei der Zusammenfassung aber auf mein Interessengebiet Glasperlen beschränken.
Untersucht wurde der frühmittelalterliche/slawische Handelsplatz Groß Strömkendorf, die Datierung liegt damit Schwerpunktmäßig auf dem 8. bis frühen 9. Jahrhundert. Als Vergleichsfunde im Bereich Glasperlen werden vor allem Funde aus dem skandinavischen Raum verwendet. Zusätzlich zu den Perlenanalysen beschäftigt sich die Arbeit auch mit den Möglichkeiten der lokalen Perlenherstellung.
Die Glasfunde kamen bei einer umfassenden Ausgrabung zwischen 1995 und 1999 zu Tage, in deren Verlauf auch eine komplette Freilegung des Gräberfeldes Groß Strömkendorfes erfolgte. Die Bestattungsformen verweisen hier auf skandinavische Einschläge. (Es wurden z.B. 6 Gräber freigelegt, in denen Bootsreste in skandinavischer Bauweise gefunden wurden.)
Der Fundort wird archäologisch auch mit dem historisch überlieferten Handelsplatz Reric gleichgesetzt.

Forschungsstand.
Zum Thema frühneuzeitliche Glasperlen gab es zum Zeitpunkt der Dissertationsveröffentlichung eine eher dürftige Reihe an wissenschaftlichen Publikationen. Einige einschlägige Publikationen standen vor allem für Ribe wohl gerade an. Die vorab gesammelten Daten dieser unveröffentlichten Arbeit standen dem Autoren teilweise zur Verfügung. Insgesamt gesehen fehlte bei Publikationen zum Thema Glasperlen jedoch oft eine einheitliche Typologie. Bei älteren Werken ist auch die oftmals schlechte Bildqualität zu bemängeln.

Arbeitsgrundlagen.
Die Untersuchung beruht auf der Auswertung von insgesamt 3591 Glasfunden. Die große Mehrheit der analysierten Funde stammt aus dem Siedlungsbereich, nur 5% aller Funde stammen aus Gräbern.
Von dieser Gesamtfundzahl sind 1395 Funde den Glasperlen zuzuordnen.
Die Katalogisierung der Glasperlen erfolgte mittels eines Computerprogrammes, ProPer, das ursprünglich für die Typisierung merowingerzeitlicher Glasperlen entwickelt wurde.
In ProPer wurden für alle Perlenfunde die Bestimmungsmerkmale ‘Farbe’ und ‘Transluzidität’ aufgenommen. Hierbei erwies sich gerade die Farbestimmung durch Faktoren wie wechselnde Lichtverhältnisse, Verwitterungsgrad des Fundes und subjektives Farbempfinden etc. als problematisch. Grundsätzlich ist eine völlig exakte Farbbestimmung daher nicht möglich, bzw. nur bei Funden gegeben die ausreichend Vergleichsfunde bieten.
Die Transluzidität wurde aus ähnlichen Gründen auf drei Abstufungen begrenzt: 1. transluzid, 2. schwach transluzid, 3.opak.
Als weiteres Merkmal wurde für alle Perlen die Formgebung festgehalten. Relevante Formen sind im Formkatalog der Arbeit zu entnehmen. (Kapitel 3.3.4)
Für verzierte Perlen wurde zusätzlich der Dekortyp erfasst. (Kapitel 3.3.5 und 3.3.6)

Für die Glasperlenfunde werden hier drei Hauptgruppen festgelegt:
1. Perlen ohne Dekor (unverziert, einfarbig)
2. Dekorperlen (Zierelemente auf einfarbigem Körper)
3. Mosaikperlen (Perlen deren Körper in Moasaiktechnik aufgebaut ist)

Insgesamt gesehen ließen sich bei der Analyse zwischen Form, Farbe, Dekor etc. bestimmte feste Zusammenhänge ausmachen. (Beispielsweise sind die meisten einfarbigen Perlen ohne Dekor in der Farbe blau zu finden.)

Die verschiedenn Perlen sind der einfachheithalber im laufenden Text der Dissertation codiert. Eine ausführliche Codierungsbeschreibung findet sich in Kapitel 4.4. sowie im Anhang 3.3.1. Die verwendeten Vergleichsfunde stammen aus folgenden Gebieten: Ribe, Haithabu, Rostock-Dierkow, Menzlin, Helgö, Birka, Paviken und Dorestad.

Mehr in Kürze.

Nochmal der Link zum Werk:
Pöche, Alexander. Die Glasfunde des frühmittelalterlichen Handesplatzes Groß Strömkendorf bei Wismar. Kiel, 2001.

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4 Responses to .glasperlen.aus.groß.strömkendorf.teil.1.

  1. Eona says:

    Wie schöööönn. Ich hoffe, du lässt mich nicht zu lange auf den nächsten Teil warten ;-) aber ich weiß ja selber, wie schnell die Zeit vergeht.
    Gibt es auch Spekulationen wieso die meisten einfarbigen Perlen blau waren? Würde mich ja jetzt schon interessieren.

    Liebe Grüße
    Eona

  2. glaumbaer says:

    Dann löse ich mal auf :D. Es ist wegen der vielen Glasrestfunde anzunehmen, daß die blauen Perlen wohl direkt vor Ort hergestellt worden sind. Es scheint also dort einen größeren Zugang zu blauem Glas gegeben haben (warum ist leider nicht klar) und daher sind mehr blaue Perlen aus Eigenproduktion als vermutl. Importe zu finden. Könnte natürlich auch eine Mode gewesen sein. Alles wieder sehr mysteriös. ^^

    • Eona says:

      *g* Die haben bestimmt das gleiche Gedacht wie ich. Da Blau einfacher zu verarbeiten ist, nehme ich das auch immer, wenn ich noch den einen oder anderen Stab voll kriegen möchte ;-)

  3. glaumbaer says:

    Die blauen Perlen sind übrigens qualitativ ‘schlechter’ verarbeitet, was daraufhin gedeutet wurde, daß diese vor Ort hergestellt wurden unter vllt. nicht ganz ‘professionellen’ Bedingungen… Wenn dann die Verarbeitung von Blau ohnehin etwas einfacher ist, würd das ja echt gut passen :D Für eine einfache blaue Wickelperle muß man ja nicht zwangsweise Handwerker im ‘professionellen’ Sinne sein. Ach ja, Vermutungen. *hihi*

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