?wo.kommt.DER.mit.seinen.perlen.her?

Das neue Büchlein vom Glasperlenmacher ist da, und ich hab es nun auch gelesen. Diesmal geht es um ein eher stiefmütterlich behandeltes Thema, Perlenfunde in Männergräbern. Auch hier kann ich die Lektüre nur wärmstens weiterempfehlen.
Im Gegensatz zum ersten Buch, in dem es um die Verwendung von Glasperlen in Frauengräbern in Birka ging, behandelt dieses nun verschiedene Fundorte Skandinaviens sowie auch Einzelfunde anderer Regionen. Es wird der Annahme nachgespürt, ob die gängige Perlenbeigabe in Männergräbern tatsächlich bei nur ca. 1-3 Perlen liegt. Außerdem geht der Torben der Frage nach, welche Perlenarten vorgefunden wurden und welche möglichen Rückschlüsse die Fundzusammenhänge auf die Verwendung zulassen.
Die Ergebnisse sind denn auch so vielfältig wie die Fundorte, daher möchte ich bei diese Kurzbesprechung vor allem auf Punkte eingehen, die mir besonders wichtig bei der Betrachtung der Männerperlen erscheinen.
Problematisch erscheint zunächst die Fundlage an sich zu sein. Bevor Gräber eingehend osteologisch bestimmt werden konnten bzw. DNA Proben untersucht wurden, fand die Geschlechterbestimmung in der Regel über Grabbeigaben statt. Gräber mit vielen Perlen wurden daher häufig Frauen zugeordnet. In seiner Besprechung zeigt Torben hier sehr schön, daß die Prozentzahl an Männergräbern mit Perlen bei osteologisch untersuchten Grabfeldern höher ist als bei Grabfeldern ohne diese Untersuchungen. Es liegt also mit einiger Wahrscheinlichkeit eine ohnehin verschobene Geschlechterzuordnung vor, die die Untersuchung der Perlenhäufigkeit und Anzahl in Männergräbern erschwert.
Zudem fehlen häufig genaue Angaben zur Perlenart und zur Fundlage, was Untersuchungen zur Verwendung schwierig macht.
Aus den mit Vorsicht zu betrachtenden Funden ergibt sich regionesübergreifend eine Tendenz zu einer Häufung von 1-3 Perlen. Jedoch wurden immerhin noch in 20% des Fundgutes zwischen 4 – 20 Perlen angetroffen. Zudem gibt es offenbar 4 absolute Sonderfälle in denen 88, 100, 125 und 206 Perlen gefunden wurden. (Schwer einzuordnen sind außerdem 3 Funde mit je ca. 30 Perlen.)
Vorstellbare Verwendungsmöglichkeiten aus der Fundlage heraus wären vor allem Halsketten, Verzierungen an Objekten wie Beuteln, Anhängerschmuck aber auch Saumbesatz, Gürtelschmuck und Haar/Mützenschmuck.

Infos zu Farben, Formen und Mustern entnehmt ihr am besten dem Büchlein ;).

Besonders gut hat mir der sehr reflektierte Umgang mit dem Fundgut gefallen und die differenzierte Beschreibung der einzelnen Regionen. Der Anhang enthält außerdem eine schöne Nomenklatur zum Thema Form und Farbe von Glasperlen mit Beispielbildern. Ich habe in jedem Fall viele neue Dinge gelernt!

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